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Handlungsleitfaden zur IT-gestützten
Vorgangsbearbeitung - eine Veröffentlichung des KoopA ADV
Ein Beitrag von Dr. Günther Berg, Ministerium des
Innern des Landes Brandenburg
Erwartungen und Hindernisse
IT-gestützte Vorgangsbearbeitung ist ein komplexes
Thema. Ihm kommt eine hohe strategische Bedeutung zu. Denn vom
Einsatz leistungsfähiger Groupware- und Workflowprodukte wird ein
wesentlicher Beitrag zur Rationalisierung und Modernisierung der
öffentlichen Verwaltung erwartet. Über die klassischen Anwendungen
der Bürokommunikation hinaus geht es hier um die Unterstützung
arbeitsplatzübergreifender Prozesse. Ziel ist es, die im Rahmen des
Verwaltungshandelns notwendigen Formen der Abstimmung und
Beteiligung durch den Einsatz geeigneter informationstechnischer
Systeme zu unterstützen. Insbesondere die mit dem Medium Papier
verbundenen Nachteile bei die Bearbeitung, Weiterleitung, Ablage und
Suche von Vorgängen sollen vermieden werden. Während im gewerblichen
Bereich ähnliche Arbeitsabläufe schon digitalisiert sind, tut sich
die öffentliche Verwaltung offenbar noch schwer damit, sich der
neuen Technologie anzuvertrauen. Wo liegen die Hindernisse? Wie
können sie überwunden werden?
Handlungsleitfaden als Ergebnis gemeinsamer
Lösungssuche
Eine Arbeitsgruppe des KoopA ADV mit Vertretern aus
Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden sowie der
Verwaltungsinformatik ist diesen Fragen nachgegangen. Als Ergebnis
hat die Gruppe einen ‘Handlungsleitfaden’ vorgelegt. Er ist als
Fortsetzung einer Veröffentlichung des KoopA ADV zur IT-gestützten
Schriftgutverwaltung ("Basis- und Funktionenmodell") zu sehen -
thematisiert aber zugleich die praktischen Probleme auf Basis des in
der Arbeitsgruppe organisierten Erfahrungsaustauschs. Indem hier das
Thema ausgehend von den Besonderheiten der öffentlichen Verwaltung
aufgegriffen wird, soll zugleich eine in der Fachliteratur immer
noch vorhandene Lücke geschlossen werden. Was bietet der
Handlungsleitfaden ?
Begriffliche Klärung
Vorangestellt ist - mit Bezug auf die inzwischen
breit geführte Diskussion zur IT-gestützten Vorgangsbearbeitung -
eine begriffliche Klärung. Hier wird versucht, die Basis einer
Verständigung zwischen Anwender und Anbieter zu schaffen. Denn es
zeigt sich immer wieder, daß die notwendige Kooperation dadurch
behindert wird, daß beide Seiten oft schon bei der Ermittlung des
Bedarfs aneinander vorbeireden. Für die einen ist das
‘Innenleben’der öffentlichen Verwaltung, die besondere Aufbau- und
Ablauforganisation, weitgehend unbekannt, während die anderen mehr
oder weniger ratlos vor vielversprechenden Produktangeboten für
Dokumentenmanagement, Groupware und Workflow stehen.
Blick auf den Büroalltag
Ein Blick auf den typischen Büroalltag kann
weiterhelfen. Vorgangsbearbeitung in der öffentlichen Verwaltung ist
- in anderer Weise als im gewerblichen Bereich - an rechtsstaatliche
Grundsätze gebunden. Daraus resultiert eine bestimmte Arbeitsweise
mit fachlichen Zuständigkeiten und strikt geregelten
Beteiligungsverfahren in einer hierarchischen Struktur, aber auch
durchsetzt mit teamorientierter Projektarbeit. Vorgabe ist, daß der
Stand einer Sache vollständig aus den Akten selbst hervorgehen muß.
Daher spielt die sachaktenbezogene Bearbeitung von Vorgängen eine
wesentliche Rolle. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß in den
Behörden von Bund, Ländern und Kommunen die Ausstattung mit
Arbeitsplatzcomputern und deren Vernetzung schon beachtlich weit
fortgeschritten ist. Kaum eine Behörde fängt mit dem IT-Einsatz noch
auf der ‘grünen Wiese’ an. Die praktische und zugleich strategische
Frage lautet daher: wie lassen sich letztlich - unter den genannten
verwaltungsorganisatorischen Bedingungen - die bereits vorhandenen
Anwendungen (Textverarbeitung, Fachanwendungen, E-Mail) mit
Produkten zur Schriftgutverwaltung und Vorgangsbearbeitung
zusammenführen und zu einem ganzheitlichen, stabilen und für die
Nutzer bedienungsfreundlichen Arbeitsinstrument weiterentwickeln ?
Referenzmodell: eine systematische Herangehensweise
Ausgehend von dieser Fragestellung werden in einem
weiteren Schritt - in Form eines objektorientierten Datenmodells -
die grundlegenden Anforderungen an Vorgangsbearbeitungsprozesse
systematisch entwickelt und an Modellierungsbeispielen
(Antragsbearbeitung, Kabinettvorlage) konkretisiert. Es wird
gezeigt, wie der im Referenzmodell fachlich beschriebene
Geschäftsgang im Rahmen einer modular aufgebauten Zielarchitektur
informationstechnisch unterstützt werden kann. Bestandteile der
Zielarchitektur zur IT-gestützten Vorgangsbearbeitung sind die
Arbeitsplatz-, Schriftgutmanagement- und
Vorgangssteuerungskomponenten. Sie gehören funktional zusammen.
Aspekte der Datensicherheit und der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
solcher komplexer Systeme schließen diesen Teil des
Handlungsleitfadens ab.
Vorgehenskonzept: notwendige vorbereitende
Überlegungen
Das Vorgehenskonzept wendet sich den
organisatorischen Aspekten zu. Sie haben bei der Einführung
integrierter arbeitsplatzübergreifender Anwendungen außerordentlich
große Bedeutung. ‘Organisation vor Technik’ heißt die bekannte
Forderung. Wie sie konkret umgesetzt werden kann, ist bisher noch
weitgehend unbeantwortet geblieben. Die Einführung eines solchen
Systems ist als hochkomplexe Aufgabe zu bewerten, die bestimmter
Mindestvoraussetzungen bedarf. Auch hierzu will der
Handlungsleitfaden Orientierung bieten. Genannt seien:
Bedarfsermittlung und strategische Planung, technische
Grundausstattung und Anforderungen an die Netzbetreuung, Umstellung
der Arbeitsabläufe, Beachtung gesetzlicher Rahmenbedingungen - z.B.
die elektronische Unterschrift.
Realisierungsansätze: aus Erfahrung
lernen
Schließlich werden vor dem Hintergrund konkreter
Projekterfahrungen aus Bund, Ländern und Kommunen
Realisierungsansätze betrachtet. Welche Erkenntnisse gibt es
hinsichtlich der Reorganisation der Geschäftsprozesse? Gibt es
K.O.-Kriterien für die Auswahl geeigneter Produkte? Welche
organisatorischen Regelungen sind bei der Einführung zu treffen? Wie
kann eine ausreichende Qualifikation und Motivation der Beteiligten,
insbesondere der Leitungskräfte, erreicht werden? Dabei werden auch
die typischen "Stolpersteine" bei solchen Vorhaben hinsichtlich
Technik, Organisation und Motivation thematisiert.
Fazit
Die ‘Botschaft’ des Handlungsleitfadens läßt sich
so zusammenfassen:
Erstens: Das ‘papierlose Büro’ ist als solches
nicht realisierbar und daher als Leitbild ungeeignet. Realisierbar
ist die elektronische Akte als rechtsverbindliche Dokumentation des
Verwaltungshandelns. Dazu bedarf es bestimmter rechtlicher
Voraussetzungen und einer grundlegenden Umstellung der Arbeitsweise
auf allen Hierarchieebenen. Dabei muß sich zeigen, wieweit die
Synchronisation zwischen Papier und elektronischem Dokument,
zwischen Umlaufmappe und Bildschirm, gelingt.
Zweitens: Elektronische Registratur und
Schriftgutverwaltung sind als "statische Elemente" der Unterstützung
der Prozesse vorausgesetzt. Entscheidend ist, welche Art von
Vorgangsbearbeitung darauf aufbauend unterstützt werden soll.
Während klar strukturierte Vorgänge (Antragsbearbeitung) mit
marktgängigen Produkten schon automatisierbar sind, steckt die
Abbildung komplexerer Entscheidungsverfahren noch in der Phase der
Entwicklung und Erprobung.
Drittens: Eine weitergehende Unterstützung
arbeitsplatzübergreifender Abläufe kann nur schrittweise erfolgen.
Bei jedem Schritt greifen technische, organisatorische und soziale
Aspekte eng ineinander. Die Regelwerke (GGO) müssen neu durchdacht,
interne Dienstvereinbarungen getroffen werden. Dies ist ein
kontinuierlicher Prozeß, in dem die kreative Beteiligung der
Mitarbeiter, ihre Motivation und ihr Know-How von Anfang an gefragt
sind. Hier aber liegt der zentrale Hebel für die Umsetzung neuer
Verwaltungskonzepte mittels moderner Informations- und
Kommunikationstechnik.
Weiteres Vorgehen: Erfahrungsaustausch
organisieren!
Die Arbeitsgruppe des KoopA ist beauftragt, vor dem
Hintergrund der vorliegenden Erkenntnisse die weitere Entwicklung in
diesem strategisch wichtigen Bereich der Verwaltungsmodernisierung
aufmerksam zu beobachten und kritisch zu bewerten. Dies erfolgt vor
allem in Form eines regelmäßigen länderübergreifenden
Erfahrungsaustausches. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben es
sich dabei zur Aufgabe gemacht, die Ergebnisse durch geeignete
Vermittlungs- und Veröffentlichungsformen transparent zu machen.
Literaturhinweis:
KoopA AG IT-gestützte Vorgangsbearbeitung
(Hrsg.): Handlungsleitfaden "IT-gestützte Vorgangsbearbeitung". Bonn
1997 (KBSt-Schriftenreihe, Bd. 35) sowie unter http://www.kbst.bund.de/Publikationen/KBSt-Schriftenreihe
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