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IT-gestützte Vorgangsbearbeitung |
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Der Wandel vom Funktionsdenken zum Prozeßdenken als Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäftsprozeßoptimierung
Ein Beitrag von Harald Wendler, Finanzbehörde Hamburg auf dem Anwenderforum 1998
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Geschäftsprozeßoptimierung ist eine Methode, Verwaltungsabläufe zu verbessern, mit dem Ziel
- Potentiale zur Effizienzsteigerung und Rationalisierung aufzuzeigen und zu nutzen,
- die Kundenorientierung zu verbessern und damit die Qualität der Prozesse zu erhöhen,
- neue Erkenntnisse für eine verbesserte Aufbau- und Ablauforganisation zu gewinnen und umzusetzen,
und dabei die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in diesen Verbesserungsprozeß miteinzubeziehen. |
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Geschäftsprozeßoptimierung und Verwaltungsmodernisierung
Die
Verwaltungsmodernisierung hat zahlreiche Komponenten: Budgetierung,
Controlling, Produktdefinitionen, Qualitätsmanagement,
Kontraktmanagement etc. Dabei kann die Geschäftsprozeßoptimierung als
ein Bindeglied dieser Komponenten verstanden werden:
- Produkte werden in Geschäftsprozessen erstellt.
- Kosten für Produkte können nur dann richtig ermittelt werden, wenn die zugrundeliegenden Geschäftsprozesse bekannt sind.
- Kostenreduzierung wird nur durch Optimierung dieser Geschäftsprozesse erreicht werden.
- Die Qualität der Produkte
kann nur verbessert werden, wenn der Geschäftsprozeß die Bedürfnisse
des Abnehmers (externe oder interne Kunden) berücksichtigt.
Es erscheint wichtig zu
erkennen, daß ohne hinreichende Beachtung der Prozeßoptimierung das
Potential der Verwaltungsmodernisierung nur teilweise ausgeschöpft
würde. Strukturorientierung und Prozeßorientierung müssen gleichrangig zum Zuge kommen, weil sie sich gegenseitig bedingen. Geschäftsprozeßoptimierung und Informations- und Kommunikationstechnik
Die IuK-Technik ist neben dem
Verwaltungsinnovationsansatz des Neuen Steuerungsmodells die zweite
Antriebskraft der Geschäftsprozeßoptimierung. Mit der Digitalisierung
von Information durch die IuK-Technik verbindet sich eine Veränderung
der Arbeitstechnik der öffentlichen Verwaltung, bei der man mit dem
Begriff der "Revolutionierung" kaum übertreibt. Die uns mittlerweile
zur Verfügung stehende IuK-Technik ist Katalysator für
Verwaltungsreform, ist "Enabling Technology". Sie erlaubt Organisation
"mit" Technik. Sie fordert auf zu "schöpferischer Zerstörung" (Joseph
Schumpeter) gewohnter Organisation- und Verfahrensweisen.
Der Ausbau der Informations- und
Kommunikationstechnik kann nicht Selbstzweck sein. Ein
Rationalisierungseffekt wird sich jedoch nicht von selbst einstellen.
Er kann nur dann erreicht werden, wenn mit dem IuK-Technikeinsatz
zugleich organisatorische Veränderungen einhergehen, die zu
effizienterem Verwaltungshandeln führen. Dazu müssen gewohnte
Arbeitsweisen und Verwaltungsabläufe hinterfragt und neu gestaltet
werden. Der Einsatz von IuK-Technik muß also einhergehen mit Maßnahmen
der Geschäftsprozeßoptimierung.
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Die
Einführung des PC als Arbeitsmittel ohne organisatorische Änderung der
Arbeitsabläufe reduziert den PC zu einer komfortablen Schreibmaschine.
Erst wenn die erweiterten Funktionen, die ein elektronisches Dokument
von einem Papierdokument unterscheiden (ortsungebundener, zeitgleicher
Mehrfachzugriff, Such-, Verteil-, und Versendefunktionen etc.) genutzt
werden, wird sich das wahre Rationalisierungspotential erschließen
lassen. |
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Der Wandel zum prozeßorientierten Denken
Geschäftsprozesse sind produkt- und damit kundenorientiert.
Die Abkehr vom funktionsorientierten Denken hin zum prozeßorientierten
Denken ist daher wesentliche Voraussetzung für die effektive Gestaltung
von Geschäftsprozessen. Diese Notwendigkeit des Wandels auf allen
Ebenen deutlich zu machen ist eine der wesentlichen Aufgaben bei der
Einführung der Geschäftsprozeßoptimierung. |
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Laut Reinermann
findet die Forderung nach Prozeßoptimierung ihre Ursachen u.a. in
Mängeln des unsere Verwaltungswirklichkeit prägenden Bürokratiemodells
(Dominanz vertikaler Strukturen, Abschottungen, "kleine Königreiche").
Eine gut funktionierende Organisation ist mehr als die Summe von gut
funktionierenden Organisationseinheiten. Bisher hat man in Kästchen des
Organigramms und in Stellenbeschreibungen gedacht. In Zeiten der
Produktorientierung entwickelt sich das organisatorische Denken zu
einem Denken in Prozeßketten. Etablierte Hierarchien sind für
Informationen nicht durchlässig genug. Effektivität und Produktivität
setzen voraus, daß Information dann, wenn sie verfügbar ist, auf dem
direktesten Weg dorthin gebracht wird, wo sie gebraucht wird - und der direkte Weg führt entlang der Prozeßfolge.
Sekundenschneller Informationsaustausch und eine sich anschließende
tagelange Verweildauer in einer mehrstufigen Hierarchie vertragen sich
nur schlecht miteinander. |
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| Die Grafik
macht es vielleicht noch anschaulicher, worum es beim Prozeßdenken
geht. Alle Funktionseinheiten können optimal arbeiten und wie hier auch
optimal mit IuK-Technik unterstützt werden. Ein zufriedenstellendes
Ergebnis wird sich nur dann einstellen, wenn die Funktionseinheiten
ihren Beitrag und ihre Verantwortung im Rahmen eines Gesamtprozesses
erkennen und leisten wenn der Informationsfluß statt wie bisher
vertikal zukünftig an der Prozeßfolge ausgerichtet ist und wenn neben
der Ressourcenverantwortung auch Prozeßverantwortung definiert wird. |
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Die Auswirkung des Prozeßdenkens am Beispiel des Qualitätsmanagements
"Qualität ist dann, wenn der Kunde wiederkommt und nicht das Produkt!"
Nicht die Fehlerentdeckung sondern, die Fehlervermeidung ist das Erfolgsrezept für die Qualitätssicherung.
Daher ist neben der Qualitätskontrolle des Produktes eine
Qualitätskontrolle des Prozesses, in dem das Produkt erstellt wird,
erforderlich. Qualitativ wertvolle Produkte können nur in
qualitätsgesicherten Prozessen erstellt werden. Außerdem müssen
Qualitätskontrollen, die zu Nachbesserungen am Produkt führen, dazu
genutzt werden, Maßnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen, erkannte
Fehler zukünftig zu vermeiden.
Was Qualität ist,
bestimmt der Kunde. Heute wird die Attraktivität des Angebotes für den
Kunden wesentlich davon geprägt, wie umfassend seine Problemstellung
aufgegriffen und individuell gelöst werden kann. Der Kunde wird ein
fehlerfreies Produkt (Qualität im engeren Sinne) als eine
Selbstverständlichkeit voraussetzen. Qualität im weiteren Sinne ist daher die Gestaltung des Geschäftsprozesses,
mit dem alle Kundenwünsche vollständig und reklamationsfrei, z.B.
hinsichtlich Flexibilität, Zuverlässigkeit, Lieferfähigkeit, Service,
Termin und Termintreue erfüllt werden können.
Daraus ergeben sich folgende Anforderungen an die Geschäftsprozesse:
- Die Prozesse müssen kundenorientiert sein.
- Die Prozesse müssen transparent und flexibel sein.
- Qualitätssicherung muß innerhalb der Prozesse (nicht nur am Ende) stattfinden.
- Alle Prozeßbeteiligten
müssen ihren Beitrag und ihre Verantwortung im Rahmen der Prozesse
erkennen und leisten. Dazu ist es erforderlich, daß der Informationsfluß an der Prozeßfolge ausgerichtet ist.
- Es muß eine Prozeßverantwortung definiert sein.
- Prozesse müssen möglichst einfach sein.
Heute
haben wir häufig komplizierte Standardverfahren, deren gesamter Verlauf
von Entscheidungspunkten gesäumt ist. Dabei wäre es sinnvoller, einen
Entscheidungspunkt zu einem relativ frühen Zeitpunkt anzusetzen, von
dem aus die Arbeit auf mehrere einfache Prozesse verteilt werden kann. - Die Prozesse müssen ständig überprüft und ggf. verändert werden. Dabei ist die Beteiligung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine wesentliche Voraussetzung für Qualität und Akzeptanz der veränderten Geschäftsprozesse.
Ziel der
Geschäftsprozeßoptimierung ist es, die Geschäftsprozesse so zu
gestalten, daß sie die o.g. Anforderungen erfüllen. Daher ist der
Wandel zum prozeßorientierten Denken eine wesentliche Komponente des
Qualitätsmanagements.
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