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Arbeitsprojekt IT-gestützte Vorgangsbearbeitung
 
IT-gestützte Vorgangsbearbeitung
 

Zielarchitektur zur IT-gestützten Vorgangsbearbeitung
und Muster einer Leistungsbeschreibung

Ein Beitrag von Dr. Andreas Engel ,Universität Koblenz-Landau,
Ulrike Scharfenberger und Thomas Nigbur,
Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Mit der Zielarchitektur wird im Kapitel 5 des "Handlungsleitfaden IT-gestützte Vorgangsbearbeitung" ein modulares System von Funktionen bzw. Softwarebausteinen beschrieben, mit denen die Vorgangsbearbeitung in der öffentlichen Verwaltung vollständig informationstechnisch unterstützt werden kann. Dabei soll der Begriffsbestandteil "Architektur" ausdrücken, dass es nicht nur um eine Aufzählung von Funktionen geht, sondern auch funktionale Zusammenhänge erläutert werden.

In der Zielarchitektur - Handlungsleitfaden IT-gestützte Vorgangsbearbeitung - werden auf der obersten Ebene vier Funktionskomplexe unterschieden:

  • die Arbeitsplatzkomponente,
  • die Schriftgutmanagementkomponente,
  • die Vorgangssteuerungskomponente und
  • die Arbeitsgruppenkomponente.
Mit der Bezeichnung "Zielarchitektur" wird ausgedrückt, dass die Einführung einer IT-gestützten Vorgangsbearbeitung nicht die einmalige Anschaffung eines Komplettsystems bedeutet, sondern als ein kontinuierlicher Prozess der Weiterentwicklung einer informationstechnischen Infrastruktur zur Erledigung von Geschäftsvorfällen gesehen werden muss. Die einzelnen Komponenten sollten soweit wie möglich durch Standardsoftware realisiert werden.

Arbeitsplatzkomponenten

Grundlage der Zielarchitektur zur IT-gestützten Vorgangsbearbeitung ist die flächendeckende Einführung von Textverarbeitungssystemen und E-Mail, mit denen die elektronische Erstellung und Verteilung von Dokumenten bereits praktiziert wird. Von Vorteil sind die Einführung und Nutzung moderner Bürokommunikationswerkzeuge (Tabellenkalkulation, Terminkalender, Adressverwaltungsprogramme, Grafik- und Annotationswerkzeuge sowie Viewer und Browser für das Lesen und Bearbeiten von Dokumenten unterschiedlichen Speicherungsformats). Für eine IT-gestützte Vorgangsbearbeitung sind sämtliche Arbeitsplatzkomponenten so weit es geht in die Zielarchitektur zu integrieren. Das bedeutet, von allen genannten Komponenten am Arbeitsplatz muss auf die Vorgangssteuerungskomponente und die Schriftgutmanagementkomponente zugegriffen werden können.

Eine weitere Anforderung an die Arbeitsplatzausstattung besteht in der Funktion einer elektronischen Signatur, mit der sich die Beteiligten an der Vorgangsbearbeitung vertrauenswürdig identifizieren und authentisieren können.

Schriftgutmanagementkomponente

Schriftgut nimmt aufgrund der Forderung nach Transparenz des Verwaltungshandelns in der öffentlichen Verwaltung einen hohen Stellenwert ein. Deshalb spielt die Schriftgutmanagementkomponente eine zentrale Rolle. Auch sie ist modular - entsprechend den anfallenden Aufgaben - aufgebaut und enthält folgende Komponenten:

  • Die Registraturkomponente dient der Erfassung, Verwaltung (z.B. Wiedervorlage) und Recherche der zum Schriftgut gehörigen Metainformationen.
  • Scanner und Texterkennungssoftware ermöglichen die Integration von Papierschriftgut.
  • Die Archivkomponente dient der Speicherung der Primärinformationen elektronischer Dokumente in den Phasen der Bearbeitung und auf Dauer. Sie sollte die Möglichkeit bieten, je nach Verwendungszusammenhang unterschiedliche Ablagen einzurichten. Damit ist die Ablage für das allgemeine Schriftgut im Sinne einer Registraturablage gemeint, aber auch die Möglichkeit zur Einrichtung persönlicher Ablagen, auf die nur ein Benutzer zugreifen kann, sowie die von Gruppenablagen zur Teamarbeit.
  • Mit der Volltextretrievalkomponente wird erreicht, dass entsprechend der unterschiedlichen Teilbereiche auch die Recherche und der Zugriff auf den Datenbestand der Archivkomponente unterschiedlich realisiert sein kann, nämlich sowohl strukturiert über Metainformationen als auch mittels Volltextrecherche.
  • Konvertierungsprogramme stellen sicher, dass ein Transformieren unterschiedlicher Formate erfolgt. Dies ist hinsichtlich der Benutzung unterschiedlicher Bürokommunikationswerkzeuge von Bedeutung aber auch für die langfristige Aufbewahrung von Schriftgut.
  • Im Rahmen der Vorgangsbearbeitung kann ein Dokument in unterschiedlichen Versionen, die unterschiedliche Bearbeitungsstände widerspiegeln, vorhanden sein. Hier muss eine Versionsverwaltung zur Verfügung stehen, die eng mit der Vorgangssteuerungkomponente und den Werkzeugen der Arbeitsplatzumgebung gekoppelt ist.

Vorgangssteuerungskomponente

Die Vorgangssteuerungskomponente fasst die Funktionen zum Weiterleiten von Schriftstücken, Vorgängen oder Akten bzw. von Teilvorgängen oder Teilen von Akten zusammen. Aufgrund der funktionalen Anforderungen müssen drei Übermittlungsvarianten vorgesehen werden, nämlich

  • der durch den direkten bearbeiterinitiierten Versand einzelner Schriftstücke entstehende Dokumententransfer (Ad Hoc - Ansatz),
  • die durch Bearbeitungs- und Protokollinformationen zu Verfügungen bzw. Geschäftsgangvermerken initiierte Laufwegsteuerung (Hybrid-Ansatz) und
  • das durch Definition von Abläufen in Form von Vorgangsmodellen erforderliche Vorgangsmangement (Workflow-Ansatz).

Arbeitsgruppenkomponente

Die Zielarchitektur sollte für die Telekooperationsunterstützung offen sein. Das bedeutet, dass die Einbindung von Telekooperationswerkzeugen wie application sharing, Audio- und Videokomponenten, mit denen zwei oder mehrere Bearbeiter zeitgleich ein Dokument bearbeiten, betrachten, annotieren und darüber reden können, prinzipiell möglich sein sollte.

Muster einer Leistungsbeschreibung

Als ein interministerielles Projekt des Landes wird die it-gestützte Vorgangsbearbeitung derzeit in Nordrhein-Westfalen - federführend durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung - pilotiert. Aufsetzend auf den Erfahrungen mit der selbst entwickelten Schriftgutverwaltung soll nun die IT-Unterstützung auf die Vorgangsbearbeitung ausgeweitet werden. Hierzu wird im Rahmen der europaweiten Ausschreibung eine umfassende Leistungsbeschreibung erstellt, die sich an der Zielarchitektur des Handlungsleitfadens orientiert. Nach Abschluss des vergaberechtlichen Verfahrens beabsichtigt die KoopA-AG "IT-gestützte Vorgangsbearbeitung", diese Leistungsbeschreibung so weit zu verallgemeinern, dass sie als ein Muster einer Leistungsbeschreibung zur Beschaffung und Realisierung einer it-gestützten Vorgangsbearbeitung Interessierten zur Verfügung gestellt werden kann. Damit wird eine erste praktische Umsetzung der Zielarchitektur des Handlungsleitfadens voraussichtlich zum Jahresende zur Verfügung stehen.

Die Musterleistungsbeschreibung beansprucht natürlich nicht Allgemeingültigkeit, im Gegenteil, es wird darauf ankommen, für konkrete Vorhaben die entsprechenden Spezifika der jeweiligen vor Ort anzutreffenden Situation einzuarbeiten. Aber im Sinne des Handlungsleitfadens wird auch die Musterleistungsbeschreibung ein Leitfaden zur Erstellung einer eigenen Leistungsbeschreibung sein und deutlich machen, wie die abstrakte Ebene der Zielarchitektur praktisch mit Leben gefüllt werden kann und sie wird eine konkrete Hilfe für den Arbeitsalltag.